Naturschutzverbände befürchten
weitere
Landschaftsvermüllung

Anbei ein Bericht, den die AGU in der Goslarschen Zeitung veröffentlich hat. Er erschien am 03.11.2004 auf der Seite des Kreis Goslar. Dies ist der Originaltext.

Die Arbeitsgemeinschaft Umwelt Bad Harzburg (AGU), der NABU-Kreisgruppe Goslar und die BUND-Ortsgruppe Bad Harzburg befürchten im kommenden Jahr eine drastische Zunahme des Müllaufkommens in der freien Landschaft.

Bei der „Aktion saubere Landschaft" im Frühjahr 2004 wurden in der Umgebung von Bad Harzburg 69 cbm Müll von freiwilligen Helfern gesammelt, 6 cbm weniger gegenüber 2003. Die Einführung des Einwegpfandes bei Getränkedosen und Flaschen dürfte diese positive Entwicklung erklären. Der Anteil an Hausmüll, Sperrmüll (in Form ganzer Zimmereinrichtungen) sowie Autoreifen ist unverändert hoch.

Mit Einführung der 35%igen Abfallgebührenerhöhung durch die Abfallwirtschaft Goslar rechnen die Nordharzer Naturschutzverbände mit einer drastisch zunehmenden Vermüllung der Landschaft. Abfallwirtschaft und Kreistag machen es sich zu einfach, wenn sie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Einwohnern solche finanziellen Forderungen aufbürden. Das von der Abfallwirtschaft gern angeführte Argument, im Landkreis Goslar seien die Müllgebühren gering im Vergleich zu Nachbarkreisen, mag zwar stimmen, ist aber kein Beweis für besonderes kaufmännisches Geschick der Verantwortlichen. Es waren weit vorausschauende Einwohner und Umweltverbände, die in der Vergangenheit dafür gesorgt haben, dass Fehlinvestitionen der Abfallwirtschaft in Verbrennungsanlagen (Langelsheim) oder neue Deponien (Heiligenholz Harlingerode) verhindert werden konnten - dadurch haben sie für günstige Gebühren gesorgt, so die Umweltverbände unisono.

Innerhalb der Abfallwirtschaft müssen zunächst alle Spar- und Rationalisierungsmöglichkeiten gründlich untersucht werden bevor man derartig hohe Müllgebühren fordert. Im Antwortschreiben des Landkreis vom 22.06.2004 an die Fraktion der Grünen zum Antrag „Mülltransport auf der Schiene" heißt es auf S. 4, letzter Absatz: „Die durchschnittliche Entfernung aus dem Sammelgebiet beträgt rund 65 km einfache Fahrt, insgesamt 130 km je Leerungsfahrt." Gemeint ist die Fahrt mit einem Müllsammelfahrzeug zur Müllverbrennungsanlage Buschhaus bei Helmstedt.
Im gleichen Schreiben in der Aufrechnung auf S. 5:
„...durchschnittliche Entfernung zur Entsorgungsanlage 120 km, bei 1400 Fahrten 168.000 km." Hier ergibt sich eine Kilometerdifferenz von 14.000 km zugunsten der von der Abfallwirtschaft gewünschten Transportlösung mit Müllsammelfahrzeugen. Neben dieser fehlerhaften Berechnung ist in dem Schreiben an keiner Stelle erkennbar, dass ein Bahntransport ernsthaft untersucht wurde. Ferner fällt auf, dass auch der Umschlag auf Lastwagen mit Anhänger/Sattelauflieger nicht erwogen wird. Anfang der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhundert baute der Landkreis in Clausthal-Zellerfeld eigens eine Müllumschlagstation, um den im Oberharz gesammelten Müll kostengünstig mit Containerfahrzeugen mit Anhänger zur damaligen Deponie Morgenstern bei Hahndorf zu bringen. Rund einviertel Jahrhundert später rechnet die Abfallwirtschaft dem Einwohner vor, es sei günstiger, die viel weitere Strecke nach Buschhaus mit Fahrzeugen ohne Anhänger und einem wesentlich schlechteren Verhältnis von Fahrzeugeigengewicht / Nutzlast zu bewerkstelligen. Eine weitere Transportmöglichkeit ist die Ausschreibung und Vergabe an Transportunternehmen mit der Möglichkeit, Kosten für neue Fahrzeuge zu sparen und mittelständische Betriebe durch langfristige Aufträge zu fördern! Abschließend heißt es in dem Schreiben: „Durch den Direkttransport des Hausmülls zur Entsorgungsanlage Buschhaus entfällt die sonst zu erwartende höhere Verkehrsbelastung im Raum Oker-Harlingerode." Dieses Argument klingt zu nächst sehr treffend, hält aber einer Überprüfung nicht stand. Die Abfallwirtschaft beziffert die täglich eingesammelte Hausmüllmenge auf durchschnittlich 88.5 t. Moderne, für den Langstreckentransport konzipierte Fahrzeugkombinationen verfügen über Ladekapazitäten von etwa 25 t, das macht im Schnitt 3.5 Fahrten pro Tag durch Harlingerode aus. Anders verhält es sich bei den an der Strecke nach Buschhaus gelegenen Orten wie Schaden, Hornburg, Hedeper, Seinstedt usw., durch die die einzelnen Sammelfahrzeuge täglich fahren müssen. Hier wendet die Abfallwirtschaft das St. Florians-Prinzip an: lass es ruhig beim Nachbarn brennen solange es mich nicht trifft.

Die unterzeichneten Umweltverbände fordern von Kreisverwaltung und Kreistag dringend eine Nachbesserung bei der zukünftigen Abfallentsorgung auf der Basis der genannten Argumente.

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Naturschutzverbände fordern Nachbesserungen bei der Abfallentsorgung
GZ online 2.11.04
Die Arbeitsgemeinschaft Umwelt Bad Harzburg (AGU), die NABU-Kreisgruppe Goslar und die BUND-Ortsgruppe Bad Harzburg befürchten im kommenden Jahr deutlich mehr „wilden Müll“ in der freien Landschaft. Das schreiben die drei Naturschutzverbände in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Bei der „Aktion saubere Landschaft“ im Frühjahr dieses Jahres seien in der Umgebung von Bad Harzburg 69 Kubikmeter Müll von freiwilligen Helfern gesammelt worden, sechs Kubikmeter weniger als im Vorjahr. Als Gründe geben die Verbände die Einführung des Einwegpfandes bei Getränkedosen und Flaschen an - nicht zuletzt deswegen, weil der Anteil an Hausmüll, Sperrmüll sowie Autoreifen unverändert hoch geblieben sei.

Durch die vom Kreistag beschlossene Erhöhung der Abfallgebühren um 35 Prozent rechnen die Verbände mit einer „drastisch zunehmenden Vermüllung der Landschaft“. Abfallwirtschaft und Kreistag würden es sich zu einfach machen, wenn sie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Einwohnern derartige finanzielle Forderungen aufbürden würden, heißt es in der Pressemitteilung.

Das von der Abfallwirtschaft angeführte Argument, im Landkreis Goslar seien die Müllgebühren im Vergleich zu Nachbarkreisen gering, sei kein Beweis für kaufmännisches Geschick der Verantwortlichen. Es seien vielmehr vorausschauende Einwohner und Umweltverbände gewesen, die in der Vergangenheit dafür gesorgt hätten, dass „Fehlinvestitionen der Abfallwirtschaft in Verbrennungsanlagen (Langelsheim) oder neue Deponien (Heiligenholz Harlingerode) verhindert werden konnten“. Dadurch hätten sie für günstige Gebühren gesorgt, so die Naturschutzverbände.

Zudem werfen sie der Kreisverwaltung vor, die Möglichkeit, den Müll über die Schiene zur Verbrennungsanlage nach Buschhaus zu transportieren, nicht korrekt durchkalkuliert und weitere Sparmöglichkeiten außer Betracht gelassen zu haben. Die Verbände fordern daher Nachbesserungen bei der Gestaltung der künftigen Abfallentsorgung.